"Interaktion unter Berücksichtigung der beschränkten Möglichkeiten der Zuschauer" heisst, dass die Moderatoren Fragen stellen wie 1. Ist Pesto a) eine Sosse, b) ein Schnaps; 2. Ornella Muti a) eine Frau, b) ein Mann; 3. Aller guten Dinge sind? a) zwei, b) fünf. Wer sich diesen Fragen stellt, für den sind sie allerdings wirklich eine Herausforderung. Das Angebot sucht sich seine Nachfrager. Neben den interaktiven Elementen - der Moderator hört die Antwort eines Anrufers an und ruft daraufhin "Super/Schade" zurück - gibt es bei Neun Live vor allem Meditation zu sehen. Die Antwort auf eine Frage wird nämlich erst dann entgegen genommen, wenn der ausgelobte Gewinn durch den Erlös aus Anrufen herein geholt ist. Nehmen wir an es sind 500 RM ausgelobt und ein Anruf bringt dem Sender 30 RM, dann wird frühestens nach dem sechsten Anruf die Leitung freigeschaltet. Die Anrufer werden bis dahin vertröstet oder in einen Pool eingespeist, aus dem dann später eine Nummer gezogen wird. Bis dahin muss der Moderator die Zeit überbrücken, indem er die Frage wiederholt, die Frage wiederholt, einen blöden Witz macht, einige Hilfestellungen gibt, einen schlüpfrigen Witz macht, die Frage wiederholt, auf die Gewinnschancen hinweist, sich dafür entschuldigt, dass die Leitung noch nicht frei ist, die Frage wiederholt, aus seinem Urlaub erzählt, verführerisch in die Kamera grinst, labert und im Labern die Frage wiederholt, auf die eingeblendete Telefonnummer deutet, seinen Kamermann grüsst, die Frage wiederholt, die Frage wiederholt, eine blöden Witz macht, einige Hilfestellungen gibt, einen schlüpfrigen Witz erzähltt, die Frage wiederholt, auf die Gewinnschancen hinweist, zur Musik eines Djingles tanzt, sich dafür entschuldigt, dass die Leitung noch nicht frei ist, ankündigt, dass die Leitung bald frei ist, die Frage wiederholt, über das Urlaubswetter mutmasst, verführerisch in die Kamera grinst, labert und im Labern die Frage wiederholt, in Aussicht stellt, was man mit dem Geld alles machen könnte, auf die eingeblendete Telefonnummer deutet, seinen Kamermann grüsst, die Frage wiederholt und einiges mehr. Wenn Frau Salm zu Salm mit dies medientheoretisch schmackhaft machen könnte, würde sich auch nichts ändern.
Samstag, August 03, 2002
Freitag, August 02, 2002
Klingt so, als wäre dies auch den beschränkten Fähigkeiten der Zuschauer angemessen.
Beansprucht nicht auch GigaTV (auf NBC-Kabel), das erste und beste funktionierende interaktive "Format" zu sein?
Beansprucht nicht auch GigaTV (auf NBC-Kabel), das erste und beste funktionierende interaktive "Format" zu sein?
Sonntag, Juli 28, 2002
NeunLive, der Nachfolgesender von tm3, kann sich nicht mit Werbung tragen. Um den Sendebetrieb zu finanzieren, ggf. sogar Gewinne zu machen, setzt die Managerin des Senders Christiane zu Salm auf das Konzept, die Programmkosten durch Gewinne aus 0190er-Telefondiensten zu erwirtschaften. In Quizsendungen werden an das Fernsehpublikum lächerlich einfache Fragen gestellt. Zuschauer können aurufen, wer anruft und als erster durchkommt, gewinnt etwas tolles. Laut Frau von Salm braucht der Sender 11-12 Millionen Anrufe pro Monat, um seine Kosten zu decken (So steht es im Economist). Im letzten Mai habe er 17,2 Million Anrufe erhalten, im letzten Juni 16 Millionen. NeunLive ist interaktives Fernsehen unter Berücksichtigung der beschränkten Möglichkeiten der Zuschauer. Im Gegensatz zu anderen Projekten interaktiven Fernsehns ist NeunLive ein Erfolg.
Die Korrespondenzen 017 (22.07.2002: davidlynch.com, hcs) und 018 (29.07.2002: Sind Soldaten Nerds?, tlr) sind im Netz.
